Demo-Umgebung · Gesundheitsdaten sind synthetisch · Studien und laufende Trials sind echt (Europe PMC · ClinicalTrials.gov)
VITA LONGA Longevity Intelligence
Anmelden
Küchentisch im Morgenlicht mit leerem Notizbuch, Bleistift, Lesebrille, Wasserglas, Mandeln und Grünkohl

Kortison, Magenschutz, Schilddrüsentabletten: Welche Medikamente an den Knochen zehren

Ja, das ist möglich. Kortison ist die häufigste Ursache einer Osteoporose, die als Folge einer Behandlung entsteht. Auch viele Medikamente gleichzeitig gingen in einer deutschen Studie mit geringerer Knochendichte einher. Sprechen Sie das ärztlich an. Setzen Sie nichts selbst ab.

Ja, Medikamente können die Knochen schwächen. Am besten belegt ist das für Kortison. Laut einer Übersichtsarbeit im Journal of Clinical Medicine (2026) ist die kortisonbedingte Osteoporose die häufigste Form der sekundären Osteoporose. Gemeint ist Knochenschwund als Folge einer anderen Erkrankung oder Behandlung. Für weitere Mittel gibt es Hinweise, aber keinen Nachweis der Ursache. Achten Sie auf drei Punkte: die Gesamtdosis, die Dauer und die Zahl Ihrer Medikamente. Setzen Sie kein Mittel eigenmächtig ab. Besprechen Sie Ihre Liste stattdessen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kortison: Die Darreichungsform macht einen Unterschied

Kortison, fachlich Glukokortikoide, dämpft Entzündungen und das Immunsystem. Es hilft etwa bei Rheuma, Asthma oder chronischen Darmentzündungen. Die Kehrseite beschreibt die Übersichtsarbeit deutlich. Typisch für die kortisonbedingte Osteoporose sind ein rascher Knochenabbau und ein erhöhtes Risiko für Brüche schon bei geringer Belastung.

Die Autorinnen und Autoren vergleichen fünf Wege, auf denen Kortison in den Körper gelangt. Dazu gehören Tabletten, Infusionen und Inhalationen. Hinzu kommen Salben oder Cremes und Spritzen in den Rückenmarkskanal (epidural). Tabletten gelten in der Übersicht als gut bekannte Ursache. Für die anderen Formen gibt es laut den Autoren zunehmend Hinweise, dass auch sie dem Skelett schaden können.

Vereinfacht gilt: Je mehr Wirkstoff den ganzen Körper erreicht, desto eher sind die Knochen betroffen. Ein Asthmaspray oder eine Hautcreme wirkt vor allem dort, wo Sie es anwenden. Darauf ausruhen sollten Sie sich aber nicht. Laut der Übersicht wirken Formen ohne Tablette zwar womöglich weniger auf den ganzen Körper. Lange Anwendung oder hohe Gesamtdosen können den Knochen aber trotzdem klinisch bedeutsam verschlechtern.

Stimmt das?
Auch Kortison als Spray, Creme oder Spritze kann den Knochen schaden
Viele glauben
Kortison als Asthmaspray oder Hautcreme wirkt nur örtlich und lässt die Knochen in Ruhe.
Stimmt nur zum Teil
Formen ohne Tablette wirken womöglich weniger auf den ganzen Körper. Lange Anwendung oder hohe Gesamtdosen können den Knochen aber trotzdem klinisch bedeutsam verschlechtern.
Quelle: Kapszewicz M 2026, Journal of clinical medicine

Entscheidend ist deshalb nicht nur die einzelne Dosis. Es zählt auch, was sich über Monate und Jahre summiert. Wer immer wieder Kortisonstöße bekommt, dauerhaft ein Spray inhaliert und gelegentlich Spritzen in den Rücken erhält, sammelt eine Gesamtmenge an. Diese steht auf keinem einzelnen Rezept.

Viele Medikamente zugleich: Was eine deutsche Studie fand

Eine Querschnittsstudie aus Deutschland betrachtete die gesamte Medikamentenlast. Sie umfasste 1.155 Patientinnen und Patienten einer Geriatrie, deren Knochendichte routinemäßig gemessen wurde. Gemessen wurde per DXA, einer Röntgenmethode, an Lendenwirbelsäule und Hüfte. Im Schnitt waren die Teilnehmenden 85,0 Jahre alt, 80,1 Prozent waren Frauen. Als Polypharmazie galt die Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten. Das traf auf 64,5 Prozent zu.

In Zahlen
1.155 PersonenTeilnehmende der Studie
85,0 JahreDurchschnittsalter
80,1%Anteil Frauen
64,5%nahmen fünf oder mehr Medikamente
Quelle: Kopanos S 2026, Journal of clinical medicine

Die Ergebnisse im Überblick:

- Fünf oder mehr Medikamente gingen mit geringerer Knochendichte an der Lendenwirbelsäule einher, nicht aber an der Hüfte.

- Schilddrüsenhormone gingen mit geringerer Knochendichte an der Lendenwirbelsäule einher.

- Wassertabletten (Diuretika) zusammen mit Magenschutz (Protonenpumpenhemmer) gingen mit geringerer Knochendichte an der Hüfte einher.

- Für Kortison zeigte sich nur ein knapp nicht signifikanter Zusammenhang.

- Am beständigsten hing ein höheres Alter mit geringerer Knochendichte zusammen, an allen gemessenen Stellen.

Wichtig ist die Einordnung. Die Autorinnen und Autoren betonen: Wegen des Querschnittsdesigns zeigen die Daten Zusammenhänge, keine Ursachen. Sie könnten auch abbilden, dass kränkere Menschen mehr Medikamente brauchen. Die Studie liegt damit auf einer mittleren bis niedrigen Evidenzstufe. Das gilt auch für die Übersichtsarbeit, die keine systematische Auswertung ist.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Beispiel (ausgedacht, zur Veranschaulichung): Frau K., 79 Jahre, nimmt morgens ein Schilddrüsenhormon. Dazu kommen ein Blutdruckmittel, eine Wassertablette, ein Magenschutz, ein Cholesterinsenker und ein Schmerzmittel. Das sind sechs Medikamente. Nach der Definition der Studie liegt bei ihr also Polypharmazie vor. Außerdem gehört sie zu zwei auffälligen Gruppen: Schilddrüsenhormon sowie Wassertablette plus Magenschutz. Das heißt nicht, dass ihre Knochen deshalb schwächer sind. Es ist aber ein guter Grund, die Knochengesundheit beim nächsten Termin anzusprechen.

Ihre Fragen für das nächste Arztgespräch

Bringen Sie eine vollständige Liste mit: Tabletten, Sprays, Salben, Spritzen und rezeptfreie Mittel. Dann können Sie diese Fragen stellen:

- Wie viel Kortison habe ich in den letzten Jahren insgesamt bekommen, über alle Formen hinweg?

- Ist bei mir eine Messung der Knochendichte sinnvoll?

- Brauche ich alle meine Medikamente noch, oder lässt sich etwas reduzieren?

- Ist mein Magenschutz weiterhin nötig, und in welcher Dosis?

- Wurde meine Schilddrüsendosis zuletzt überprüft?

- Kommen für mich Kalzium und Vitamin D oder knochenschützende Medikamente infrage?

Die Übersichtsarbeit nennt mehrere Bausteine zum Schutz. Dazu zählen Änderungen des Lebensstils, Kalzium und Vitamin D. Hinzu kommen Medikamente wie Denosumab, Bisphosphonate und knochenaufbauende Mittel. Welche davon für Sie passen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Setzen Sie kein Medikament eigenmächtig ab. Kortison, Schilddrüsenhormone und Wassertabletten behandeln ernsthafte Erkrankungen. Jede Änderung gehört deshalb in ärztliche Hand.

Was die Daten nicht zeigen

Die deutsche Studie untersuchte hochbetagte Menschen im Krankenhaus. Ob die Befunde auf 50-Jährige ohne Klinikaufenthalt übertragbar sind, bleibt offen. Gemessen wurde die Knochendichte, nicht die Zahl der Brüche. Die Übersichtsarbeit fasst bisherige Studien erzählend zusammen, ohne feste Auswahlregeln. Die hier genutzten Daten liefern keinen Schwellenwert, ab dem es kritisch wird. Wer Kortison braucht, hat dafür oft gute Gründe. Der Nutzen der Behandlung kann das Knochenrisiko deutlich überwiegen. Das lässt sich nur im Einzelfall abwägen.

Kernaussagen

  • Kortison ist laut einer Übersichtsarbeit (2026) die häufigste Ursache einer sekundären Osteoporose, also eines Knochenschwunds als Folge einer Behandlung.
  • Nicht nur Tabletten zählen: Auch Infusionen, Sprays, Salben und Spritzen in den Rücken können bei langer Anwendung oder hoher Gesamtdosis den Knochen schaden.
  • In einer deutschen Querschnittsstudie mit 1.155 Klinikpatienten (Durchschnittsalter 85 Jahre) gingen fünf oder mehr Medikamente, Schilddrüsenhormone sowie Wassertabletten plus Magenschutz mit geringerer Knochendichte einher.
  • Diese Befunde zeigen einen Zusammenhang, keinen Nachweis der Ursache.
  • Nehmen Sie eine vollständige Medikamentenliste und Ihre Fragen mit ins Arztgespräch. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.

Mehr zum Thema

Vertiefen Wie lässt sich mein Osteoporose-Risiko früh erkennen? Neue Risikomarker vom Augenfoto bis zum Bauchumfang – und was sie für die Knochen taugen. · 3 Min. Nächster Schritt Welche Laborwerte sollte ich für meine Knochen beim Arzt ansprechen? Eine Checkliste zu Vitamin D, Calcium und Parathormon für das Gespräch in der Praxis. · 4 Min. Querverbindung Kann Intervallfasten bei Rheuma Gelenke und Entzündung beeinflussen? Neun Studien zeigen, was Fasten bei rheumatoider Arthritis bewirken kann. · 2 Min.

Belege (2)

Open-Access-Publikationen mit offener Lizenz, direkt verlinkt.

Glucocorticoid-Induced Osteoporosis: Pathogenesis, the Impact of Different Administration Routes on Bone Mineral Density, and Fracture Risk and Treatment Options-A Narrative Review

●●●○○ Journal of clinical medicine·2026· 1 Zitationen· cc by Original ↗
Abstract

Glucocorticoids (GCs) are widely used for their potent anti-inflammatory and immunosuppressive effects, but their use is strongly associated with negative impacts on bone health. Rapid bone loss and an increased risk of fragility fractures are characteristics of glucocorticoid-induced osteoporosis (GIOP), the most common type of secondary osteoporosis. While oral GCs are a well-known cause of GIOP, growing evidence suggests that non-oral routes of administration may also negatively affect the skeleton. This review summarizes current knowledge on the pathophysiology of GIOP, highlighting the complex relationship between direct and indirect mechanisms. It examines the effects of various routes of GC administration-oral, intravenous, inhaled, topical, and epidural-on bone mineral density, microarchitecture, and fracture. While parenteral GCs may have fewer systemic effects than oral therapy, long-term exposure or high cumulative doses may still cause clinically significant skeletal deterioration. This review also discusses current methods for assessing, preventing, and treating the fracture risk associated with GIOP. These strategies include lifestyle modifications, calcium and vitamin D supplements, and medications such as denosumab, bisphosphonates, and anabolic agents. Reducing the incidence of glucocorticoid-associated fractures and improving prevention and treatment requires an understanding of how GCs impact bone.

Association of Polypharmacy and Bone Mineral Density: A Cross-Sectional Analysis of Geriatric Inpatients in Germany

●●●○○ Journal of clinical medicine·2026· 1 Zitationen· cc by Original ↗
Abstract

<b>Background:</b> Osteoporosis is a prevalent metabolic bone disorder characterized by reduced bone mineral density (BMD) and increased fracture risk, particularly among older adults. While individual medications have been implicated in bone loss, the cumulative impact of polypharmacy on skeletal health remains underexplored. <b>Methods:</b> This cross-sectional study included 1155 geriatric inpatients undergoing routine bone mineral density assessment. Medication use, demographic characteristics, and clinical variables were extracted from electronic medical records. BMD at the lumbar spine (L1-L4) and total hip was measured using dual-energy X-ray absorptiometry (DXA). Unadjusted analyses and multivariable linear regression models were used to examine associations between medication use, polypharmacy (defined as the use of ≥5 medications), and BMD, adjusting for age, sex, body mass index, and relevant clinical covariates. <b>Results:</b> The mean age of the study population was 85.0 ± 7.1 years, and 80.1% were female. Polypharmacy was present in 64.5% of patients. In medication-specific analyses, thyroid hormone use was associated with lower lumbar spine BMD (<i>p</i> = 0.032), and concomitant use of diuretics and proton pump inhibitors was associated with lower hip BMD (<i>p</i> = 0.049). Steroid use showed a marginally non-significant correlation with reduced BMD (<i>p</i> = 0.057). Polypharmacy was associated with lower lumbar spine BMD (<i>p</i> = 0.022), whereas no sig

Quellen aus Europe PMC, ausschließlich CC0, CC BY oder CC BY-SA. Der redaktionelle Text ist eine eigene Formulierung, keine Übernahme aus den Originalarbeiten.

Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 09. Juni 2026.