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Holzzahnbürste, Zahnseide und ein Glas Wasser auf einem hellen Steinregal im Morgenlicht am Badfenster

Zahnfleischentzündung und biologisches Alter: Warum der Zahnarzttermin zur Vorsorge gehört

Kann eine Parodontitis Sie schneller altern lassen? Möglicherweise, aber nur zu einem kleinen Teil. Bewiesen ist es nicht. Eine große US-Beobachtungsstudie zeigt höhere Sterblichkeit und ein leicht vorgerücktes biologisches Alter. Ab 40 lohnt sich deshalb ein gezielter Blick aufs Zahnfleisch.

Möglicherweise, aber nur zu einem kleinen Teil – und bewiesen ist es nicht. In einer US-Beobachtungsstudie mit Daten des Gesundheitssurveys NHANES starben bei mittelschwerer bis schwerer Parodontitis 18,3 % der Betroffenen. Bei keiner oder leichter Parodontitis waren es 10,9 %. Das biologische Alter lag in derselben Studie um 1,22 Jahre (Messmodell PhenoAge) beziehungsweise 0,68 Jahre (Messmodell KDM) höher. Über das schnellere Altern ließ sich aber nur ein bescheidener Teil des Zusammenhangs erklären. Für Sie ab 40 heißt das praktisch: Lassen Sie Ihr Zahnfleisch gezielt untersuchen und sprechen Sie das Parodontitis-Screening (PSI) an.

Was die Studie untersucht hat

Die Arbeit erschien 2026 in der Fachzeitschrift „Clinical and Experimental Dental Research“. Ausgewertet wurden sechs Erhebungsrunden von NHANES, einer großen US-Gesundheitsbefragung mit ärztlichen Untersuchungen. Die Sterblichkeit wurde in dieser Beobachtungsstudie über 250 Monate nachverfolgt, also gut 20 Jahre. Die Forschenden prüften zwei Wege: Hängt Parodontitis direkt mit der Sterblichkeit zusammen? Und läuft ein Teil davon indirekt über ein beschleunigtes biologisches Altern?

Das biologische Alter schätzten sie mit zwei Rechenmodellen. PhenoAge und KDM, die Klemera-Doubal-Methode, fassen Blut- und Körpermesswerte zu einer Altersangabe zusammen. Liegt diese über dem Kalenderalter, gilt das biologische Alter als vorgerückt. Zusätzlich werteten die Autoren Untergruppen nach Alter, Geschlecht und Rauchstatus getrennt aus.

Was die Zahlen bedeuten

Bei mittelschwerer bis schwerer Parodontitis lag die Gesamtsterblichkeit im Beobachtungszeitraum der NHANES-Studie bei 18,31 %. Ohne oder mit leichter Parodontitis waren es 10,88 %. Gleichzeitig war das biologische Alter vorgerückt: um 1,22 Jahre nach PhenoAge und um 0,68 Jahre nach KDM. Das klingt nach wenig. Es handelt sich aber um Durchschnittswerte über viele Menschen.

Die Kernzahlen der NHANES-Studie
18,31%Verstorben: mittelschwere bis schwere Parodontitis
10,88%Verstorben: keine oder leichte Parodontitis
1,22 JahreBiologisch älter, Messmodell PhenoAge
0,68 JahreBiologisch älter, Messmodell KDM
Quelle: Zhang D 2026, Clinical and experimental dental research

Ein Rechenbeispiel, abgeleitet aus den Prozentwerten der Studie: Von 1.000 Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Parodontitis starben rund 183. Von 1.000 Menschen ohne oder mit leichter Parodontitis waren es rund 109. Diese rohe Differenz von etwa 74 Todesfällen geht nicht allein auf das Zahnfleisch zurück. Die Gruppen können sich auch in Alter, Rauchen oder Vorerkrankungen unterscheiden.

Der Kern der Studie ist eine Mediationsanalyse. Sie schätzt, welcher Teil des Zusammenhangs über das biologische Altern läuft. Der indirekte Effekt ergab ein Hazard Ratio von 1,085 für PhenoAge und 1,027 für KDM. Vereinfacht gesagt: Über diesen Weg allein steigt das Sterberisiko um etwa 8,5 beziehungsweise 2,7 %. Die Autoren nennen den vermittelten Anteil selbst bescheiden. Er schwankte zudem zwischen den Untergruppen. Der größere Teil des Zusammenhangs bleibt in dieser Studie also unerklärt.

Was die Daten nicht zeigen

Wir stufen die Aussagekraft mit Evidenzgrad 3 ein. Eine Beobachtungsstudie zeigt Zusammenhänge, liefert aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Die Autoren formulieren entsprechend vorsichtig. Ihre Ergebnisse stützen nach eigener Aussage eine Hypothese: Biologisches Altern spiele eine bedeutsame, aber nur teilweise vermittelnde Rolle.

- Ob eine Parodontitis-Behandlung das biologische Alter senkt oder das Leben verlängert, wurde nicht untersucht.

- Die Daten stammen aus den USA. Ob sie sich auf Versorgung und Lebensstil in Deutschland übertragen lassen, ist offen.

- Der Zusammenhang zwischen biologischem Alter und Sterblichkeit verlief nicht gleichmäßig. Das Risiko stieg erst jenseits eines Schwellenwerts steil an. Die Autoren geben ihn mit 16,4 Jahren (PhenoAge) und 31,8 Jahren (KDM) an. Eine Verschiebung um ein Jahr ist für den Einzelnen daher schwer zu deuten.

- Zum Rauchen nennt die Zusammenfassung keine Einzelwerte. Bekannt ist nur, dass Rauchende gesondert ausgewertet wurden und der vermittelte Anteil zwischen Untergruppen schwankte.

Wenn Sie bereits in parodontologischer Behandlung sind, gilt der Plan Ihrer Zahnarztpraxis – nicht eine einzelne Studie.

Praxis: Was Sie ab 40 beim Zahnarzt klären sollten

Die Studie begründet keine neue Behandlung. Sie ist aber ein guter Anlass, Mundgesundheit als Teil der Vorsorge zu sehen. Diese Checkliste hilft beim nächsten Termin:

- PSI ansprechen: Fragen Sie, ob ein Parodontaler Screening-Index erhoben wurde und welches Ergebnis herauskam. Dabei misst die Praxis mit einer feinen Sonde die Zahnfleischtaschen. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten.

- Warnzeichen melden: Zahnfleischbluten beim Putzen, gerötetes oder zurückgehendes Zahnfleisch und anhaltender Mundgeruch gehören zur Sprache. Lockere oder wandernde Zähne lassen Sie besser zeitnah abklären, nicht erst beim Routinetermin.

- Rauchen offen nennen: Rauchen gilt in der Zahnmedizin als wichtiger Verstärker der Parodontitis. Es kann außerdem Zahnfleischbluten verdecken und so Warnzeichen abschwächen. Unterstützung beim Rauchstopp bekommen Sie auch in der Hausarztpraxis.

- Vorerkrankungen und Medikamente angeben: Nennen Sie etwa Diabetes oder blutverdünnende Mittel. Ändern Sie Medikamente nie eigenständig, sondern nur nach ärztlicher Rücksprache.

- Befund und nächste Schritte klären: Fragen Sie bei auffälligem Ergebnis nach Behandlungsplan, Nachsorge und Kosten.

- Erwartungen realistisch halten: Gesundes Zahnfleisch ist kein Mittel gegen das Altern. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine Verjüngung durch Zahnpflege.

Kernaussagen

  • In einer NHANES-Beobachtungsstudie mit 250 Monaten Nachbeobachtung lag die Sterblichkeit bei mittelschwerer bis schwerer Parodontitis bei 18,31 % statt 10,88 %.
  • Das biologische Alter war um 1,22 Jahre (PhenoAge) bzw. 0,68 Jahre (KDM) vorgerückt.
  • Der Weg über das biologische Altern erklärt nur einen bescheidenen Teil (indirekter Effekt HR 1,085 bzw. 1,027).
  • Beobachtungsstudie, Evidenzgrad 3: Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung.
  • Ab 40: PSI beim Zahnarzt ansprechen, Warnzeichen wie Zahnfleischbluten und Zahnlockerung melden, Rauchen offen nennen.

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Belege (1)

Open-Access-Publikationen mit offener Lizenz, direkt verlinkt.

The Mediating Role of Biological Age Advance in the Association Between Periodontitis and Mortality: Biological Aging Links Periodontitis to Mortality

●●●○○ Clinical and experimental dental research·2026· 2 Zitationen· cc by Original ↗
Abstract

<h4>Objectives</h4>This study aims to test a conceptual mediation model wherein periodontitis is associated with mortality through direct pathways and indirectly via accelerated biological aging.<h4>Material and methods</h4>We analyzed six cycles of National Health and Nutrition Examination Survey data with mortality follow-up of 250 months. Weighted descriptive statistics were used to compare group characteristics, Kaplan-Meier analysis to evaluate periodontitis-mortality associations and generalized linear models to examine the links between periodontitis and biological aging. Cox proportional hazards models integrated with restricted cubic splines were utilized to explore the association between biological age and mortality, and mediation analyses quantified the mediation of biological aging. Additionally, age, gender, and smoking status subgroup analyses were conducted.<h4>Results</h4>Moderate/severe periodontitis was associated with a significantly elevated all‑cause mortality risk (18.31% vs. 10.88% in no/mild periodontitis) and greater biological age advancement (PhenoAge: 1.22 years; KDM: 0.68 years). Biological age acceleration exhibited a non-linear association with mortality, with hazard ratios rising sharply beyond a threshold (PhenoAge: 16.4 years; KDM: 31.8 years). Mediation analysis showed that biological age partially mediated the periodontitis-mortality association, with indirect effect hazard ratios of 1.085 (95% CI: 1.067-1.106) for PhenoAge advance and 1.0

Quellen aus Europe PMC, ausschließlich CC0, CC BY oder CC BY-SA. Der redaktionelle Text ist eine eigene Formulierung, keine Übernahme aus den Originalarbeiten.

Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 15. Mai 2026.