Psilocybin statt Nikotinpflaster? Was die Johns-Hopkins-Studie zeigt – und was nicht
Die Zahlen sind auffällig, aber vorläufig: In einer kleinen Pilotstudie waren nach sechs Monaten 40,5 % statt 10 % rauchfrei. Eine Option für Sie ist Psilocybin derzeit nicht. In Deutschland ist es keine zugelassene Therapie.
Die Zahlen der Schlagzeile stimmen, ihre Tragweite nicht. In einer randomisierten Pilotstudie mit 82 Rauchenden waren nach sechs Monaten 40,5 % der Psilocybin-Gruppe dauerhaft rauchfrei, mit Nikotinpflaster 10 %. Das wurde biochemisch überprüft. Für eine Empfehlung reicht eine einzelne kleine, offene Studie aber nicht. In Deutschland ist Psilocybin zudem keine zugelassene Therapie.
Was die Studie untersucht hat
Die Studie lief am Johns Hopkins Bayview Medical Center in Baltimore. Die Teilnehmenden waren im Mittel 47,6 Jahre alt und psychisch gesund. Sie erhielten entweder eine hohe Einzeldosis Psilocybin (30 mg pro 70 kg Körpergewicht) oder 8 bis 10 Wochen lang ein Nikotinpflaster. Beide Gruppen bekamen zusätzlich 13 Wochen kognitive Verhaltenstherapie nach festem Manual. Hauptmaß war die anhaltende Abstinenz sechs Monate nach dem geplanten Rauchstopp-Tag.
Was die Zahlen bedeuten
40,5 gegenüber 10 % ist etwa das Vierfache. Die Studie nennt ein Odds Ratio von 6,12. Das ist ein anderes Maß als „viermal so viele“ und fällt rechnerisch größer aus. Das Konfidenzintervall reicht von 1,99 bis 23,26. Diese Spanne zeigt, wie unsicher die Schätzung bei wenigen Fällen ist. Hinter 40,5 % stehen 17 Personen, hinter 10 % nur vier.
Rechenbeispiel, aus den Studienwerten abgeleitet: Von 100 Rauchenden wären nach sechs Monaten etwa 40 mit Psilocybin rauchfrei, mit Pflaster etwa 10. Bei der lockereren Messung – sieben Tage rauchfrei – lagen die Werte bei 52,4 % und 25 %. Schwere Nebenwirkungen wurden keiner der beiden Behandlungen zugeschrieben.
Was die Daten nicht zeigen
Evidenzgrad: niedrig, es handelt sich um einen ersten Test. Teilnehmende und Studienteam wussten, wer welche Behandlung bekam. Erwartungen können das Ergebnis so beeinflussen. Die Aufnahme zog sich von Januar 2015 bis Mai 2023, also über rund acht Jahre. Von 82 Personen schlossen 68 die Sechs-Monats-Kontrolle ab. Nur psychisch gesunde Erwachsene durften teilnehmen. Über Menschen mit Depression, Angststörung oder Psychose sagt die Studie nichts. Auch der Vergleichswert zählt: Das Pflaster schnitt hier mit 10 % schwächer ab als in anderen Studien. Ein schwacher Vergleich vergrößert den Abstand.
Was Sie jetzt tun können
- Psilocybin ist in Deutschland keine zugelassene Behandlung. Erwerb und Besitz sind nach dem Betäubungsmittelrecht verboten. Ein Selbstversuch ist keine Alternative.
- Belegte Hilfen sind Nikotinersatz als Pflaster, Kaugummi oder Spray, verschreibungspflichtige Medikamente wie Vareniclin sowie Beratung und Verhaltenstherapie.
- Die Verhaltenstherapie war in beiden Studiengruppen Teil der Behandlung. Diesen Baustein können Sie schon heute nutzen.
- Bei Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sprechen Sie vor dem Rauchstopp mit Ihrer Hausarztpraxis.
- Eine Übersicht über Angebote finden Sie in unserem Service-Beitrag zu Rauchstopp-Hilfen.
Kernaussagen
- In einer Pilotstudie mit 82 Rauchenden waren nach 6 Monaten 40,5 % mit Psilocybin und 10 % mit Nikotinpflaster dauerhaft rauchfrei, biochemisch bestätigt.
- Beide Gruppen erhielten 13 Wochen Verhaltenstherapie – der Unterschied betrifft nur Psilocybin gegenüber Pflaster.
- Die Studie war offen, klein, lief über rund acht Jahre und schloss nur psychisch Gesunde ein. Der Evidenzgrad ist niedrig.
- In Deutschland ist Psilocybin keine zugelassene Therapie. Belegte Hilfen sind Nikotinersatz, Medikamente wie Vareniclin und Beratung.
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Psilocybin or Nicotine Patch for Smoking Cessation: A Pilot Randomized Clinical Trial
Abstract
<h4>Importance</h4>Annual tobacco-related death estimates are 480 000 in the US and 8 million worldwide, surpassing mortality for other abused substances. Most smoking cessation interventions result in modest long-term success.<h4>Objective</h4>To compare prolonged smoking abstinence rates in smokers receiving psilocybin plus cognitive behavioral therapy (CBT) with those receiving the nicotine patch plus CBT.<h4>Design, setting, and participants</h4>In this pilot randomized clinical trial, participants and investigators were unblinded to treatment condition, including an optional crossover after completion of the primary end point. Data were collected from psychiatrically healthy adult smokers from January 20, 2015, to May 8, 2023, at the Johns Hopkins Bayview Medical Center, an academic medical center and teaching hospital in Baltimore, Maryland.<h4>Intervention</h4>The trial randomized cigarette smokers to receive either 1 high dose (30 mg/70 kg) of psilocybin or initiate 8 to 10 weeks of US Food and Drug Administration-approved nicotine patch treatment on the target quit date. Both groups received a 13-week manualized CBT program for smoking cessation.<h4>Main outcomes and measures</h4>Biochemically verified prolonged smoking abstinence (primary) and 7-day point prevalence abstinence (secondary) at 6 months after the target quit date were compared between groups using intention-to-treat analysis.<h4>Results</h4>A total of 82 psychiatrically healthy adult smokers (mean [SD]
Quellen aus Europe PMC, ausschließlich CC0, CC BY oder CC BY-SA. Der redaktionelle Text ist eine eigene Formulierung, keine Übernahme aus den Originalarbeiten.
Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 12. Mai 2026.
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