Schon herz- oder lungenkrank: Lohnt sich der Rauchstopp jetzt noch?
Nach den vorliegenden Daten lautet die Antwort Ja. In einer US-Beobachtungsstudie mit 2.319 Erkrankten starben Menschen, die nach der Diagnose aufhörten, seltener an Herzkrankheiten (AHR 0,59). Der Nutzen scheint mit jedem rauchfreien Jahr zu wachsen.
Ja, der Rauchstopp lohnt sich nach den vorliegenden Daten auch nach einer Herz- oder Lungendiagnose. In einer US-Beobachtungsstudie (NHANES) hatten Menschen, die nach der Diagnose aufhörten, ein deutlich niedrigeres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben (adjustierte Hazard Ratio 0,59). Bei der Gesamt- und der Krebssterblichkeit war der Unterschied statistisch nicht gesichert. Eine zweite Studie zeigt beim Gebrechlichkeitsrisiko: Der Abstand zu Rauchenden wird mit jedem rauchfreien Jahr größer. Die Annahme, es sei „zu spät“, wird von diesen Daten nicht gestützt.
Was die Daten bei bereits Erkrankten zeigen
Die Auswertung beruht auf zehn Erhebungsrunden der US-Gesundheitsstudie NHANES aus den Jahren 1999 bis 2018. Einbezogen wurden Erwachsene ab 40 Jahren mit Herz-Kreislauf- oder chronischer Lungenerkrankung. Alle rauchten zum Zeitpunkt ihrer Diagnose. Von den 2.319 Teilnehmenden hörten 975 nach der Diagnose auf, 1.344 rauchten weiter. Die Beobachtungszeit betrug im Median 6,3 Jahre. In dieser Zeit gab es 999 Todesfälle, davon 272 durch Herzkrankheiten und 244 durch Krebs.
Im vollständig adjustierten Modell lag das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, bei den Aufhörenden bei 0,59 im Vergleich zu den Weiterrauchenden. Das entspricht einem um rund 41 Prozent niedrigeren Risiko. Das Ergebnis blieb in mehreren Zusatzauswertungen stabil, etwa wenn die bisherige Rauchmenge berücksichtigt wurde. Auch bei der Gesamtsterblichkeit (AHR 0,90) und der Krebssterblichkeit (AHR 0,72) lagen die Werte niedriger. Diese Unterschiede waren aber statistisch nicht signifikant. Sie könnten also auch zufällig entstanden sein.
Warum jedes rauchfreie Jahr zählt
Eine zweite Beobachtungsstudie nutzte Daten der US Health and Retirement Study von 1998 bis 2020. Sie umfasste 27.020 Teilnehmende, die zu Beginn nicht gebrechlich waren. Gebrechlichkeit wurde über einen Index gemessen; ab einem Wert von 0,25 galt jemand als gebrechlich. Die Beobachtungszeit lag im Median bei 8,1 Jahren. Wichtig: Hier ging es um ältere Erwachsene allgemein, nicht speziell um Herz- oder Lungenkranke.
Aufschlussreich ist der Zeitverlauf. Direkt nach dem Aufhören lag das Gebrechlichkeitsrisiko noch leicht über dem von Rauchenden (HR 1,14). Nach 7 rauchfreien Jahren lag es bei 0,79, nach 10 Jahren bei 0,73. Wer schon vor Studienbeginn aufgehört hatte, hatte insgesamt ein niedrigeres Risiko (HR 0,79). Wer erst während der Studie aufhörte, unterschied sich im Schnitt noch nicht von Rauchenden (HR 0,98). Das passt zum Zeitverlauf: Bei dieser Gruppe war die rauchfreie Zeit oft noch kurz.
Die Studie benennt auch einen Punkt, der Aufhörende betrifft: das Gewicht. Wer nach dem Rauchstopp mehr als 10 Kilogramm zunahm, hatte ein fast doppelt so hohes Gebrechlichkeitsrisiko wie Personen mit 0,1 bis 5 Kilogramm Zunahme (HR 1,94). Die Autoren betonen dennoch, dass der Rauchstopp Vorrang hat. Eine starke Zunahme sei ein Anlass, Gewicht und körperliche Funktion weiter zu beobachten.
Ein Rechenbeispiel
Beispiel, vereinfacht und aus den Studienzahlen abgeleitet: In der NHANES-Gruppe starben 272 von 2.319 Teilnehmenden an einer Herzkrankheit, also rund 12 von 100. Angenommen, von 100 Weiterrauchenden stürben im selben Zeitraum 12 an einer Herzkrankheit. Bei einer Hazard Ratio von 0,59 wären es unter 100 Aufhörenden grob 7. Das wären etwa 5 Herztodesfälle weniger je 100 Personen. Die Rechnung ist nur eine Näherung, denn eine Hazard Ratio ist kein exaktes Risikoverhältnis über den ganzen Zeitraum. Sie zeigt aber die Größenordnung.
Ähnlich lässt sich das Gewicht einordnen. In der Gebrechlichkeitsstudie lag das standardisierte 2-Jahres-Risiko bei 15,9 Prozent für Aufhörende mit mehr als 10 Kilogramm Zunahme. Bei 0,1 bis 5 Kilogramm Zunahme waren es 9,5 Prozent. Das sind etwa 16 gegenüber knapp 10 von 100 Personen.
So gehen Sie den Rauchstopp an
- Sprechen Sie vor dem Rauchstopp mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das gilt besonders, wenn Sie Entwöhnungsmittel nutzen möchten oder mehrere Medikamente einnehmen.
- Legen Sie ein festes Datum fest und informieren Sie Ihr Umfeld.
- Fragen Sie nach strukturierten Entwöhnungsangeboten, etwa über Ihre Praxis, Ihre Krankenkasse oder eine Reha.
- Behalten Sie Ihr Gewicht im Blick, zum Beispiel mit einem regelmäßigen Wiegetermin. Steigt es deutlich, besprechen Sie das ärztlich – ohne den Rauchstopp infrage zu stellen.
- Bleiben Sie körperlich aktiv, soweit Ihre Erkrankung es erlaubt. Das passende Maß klären Sie mit Ihrem Behandlungsteam.
- Ein Rückfall ist kein Grund, es aufzugeben. Nach den Daten zählt die erreichte rauchfreie Zeit, also lohnt sich jeder neue Anlauf.
Was die Daten nicht zeigen
Beide Studien sind Beobachtungsstudien (Evidenzstufe 3). Sie zeigen Zusammenhänge, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Die NHANES-Autoren nennen selbst mehrere Schwächen. Überlebende könnten überrepräsentiert sein, denn befragt wurde nur, wer zum Erhebungszeitpunkt lebte. Rauchverhalten und Diagnose beruhen auf Selbstauskunft und Erinnerung. Auch umgekehrte Kausalität ist möglich: Der Gesundheitszustand kann beeinflussen, wer aufhört und wer nicht.
Die Gebrechlichkeitsdaten stammen aus der Allgemeinbevölkerung, nicht speziell von Herz- oder Lungenkranken. Wie groß Ihr persönlicher Nutzen ausfällt, hängt von Art und Schwere Ihrer Erkrankung ab. Das können die Studien nicht beantworten. Klären Sie es mit Ihrem Behandlungsteam.
Kernaussagen
- In einer US-Beobachtungsstudie mit 2.319 Erkrankten hatten Menschen, die nach einer Herz- oder Lungendiagnose aufhörten, ein niedrigeres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben (AHR 0,59).
- Bei Gesamt- und Krebssterblichkeit waren die Unterschiede nicht statistisch signifikant.
- Gebrechlichkeitsrisiko (27.020 Teilnehmende): direkt nach dem Aufhören HR 1,14, nach 7 Jahren 0,79, nach 10 Jahren 0,73 – der Nutzen wächst mit der rauchfreien Zeit.
- Eine Gewichtszunahme von mehr als 10 kg ging mit einem höheren Gebrechlichkeitsrisiko einher; der Rauchstopp bleibt trotzdem vorrangig.
- Beide Studien sind Beobachtungsdaten; möglicherweise sind Überlebende überrepräsentiert. Besprechen Sie den Rauchstopp ärztlich.
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Post-diagnostic smoking cessation and heart-disease mortality among adults smoking at cardiopulmonary disease diagnosis: An NHANES linked-mortality analysis
Abstract
<h4>Introduction</h4>Population-based analyses usually classify smoking status at survey enrollment, which combines people who quit before disease recognition with those who continued smoking through diagnosis and quit afterward. This study evaluated whether smoking cessation after a self-reported cardiopulmonary disease diagnosis was associated with subsequent all-cause and cause-specific mortality among adults reconstructed as smoking at diagnosis.<h4>Methods</h4>This secondary analysis pooled ten cross-sectional National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) cycles from 1999-2000 through 2017-2018 and linked survey records to mortality follow-up through 2019. Adults aged ≥40 years with self-reported cardiovascular or chronic lung disease were included when self-reported smoking initiation, diagnosis, cessation, and current-smoking information permitted classification as smoking at diagnosis. Survey-weighted Cox models compared post-diagnostic quitters with persistent smokers. Models were unadjusted, demographic-adjusted, and fully adjusted for prespecified demographic, disease-history, smoking-history, and survey-cycle covariates.<h4>Results</h4>Among 2319 participants, 975 were post-diagnostic quitters, and 1344 were persistent smokers. During a median follow-up of 6.33 years, 999 all-cause, 272 heart-disease, and 244 cancer deaths occurred. In the fully adjusted model, post-diagnostic quitting was associated with lower heart-disease mortality (adjusted hazard
Smoking cessation, weight change, and incidence and progression of frailty: A longitudinal analysis of the US Health and Retirement Study
Abstract
<h4>Introduction</h4>Smoking cessation is important for healthy ageing, but accompanying weight change may influence subsequent functional vulnerability. We examined whether attained cessation duration and weight change across the observed cessation interval distinguished later frailty risk and frailty-index progression.<h4>Methods</h4>This longitudinal secondary analysis included 27020 Health and Retirement Study participants with self-reported smoking and body-weight data, and valid consecutive frailty assessments who were non-frail at risk-set entry during 1998-2020. Smoking status, body weight, and covariates were assessed biennially by structured interviews. Time-varying Cox models estimated incident frailty (frailty index ≥0.25), mixed-effects models assessed annual frailty-index change, and restricted cubic splines evaluated continuous associations.<h4>Results</h4>Over a median follow-up of 8.1 years, 10641 incident frailty cases occurred during 250439.9 person-years. Compared with current smokers, quitters before baseline had lower frailty risk (hazard ratio, HR=0.79; 95% CI: 0.75-0.84), whereas follow-up quitters overall did not (HR=0.98; 95% CI: 0.90-1.07). In the duration spline, HRs at 0, 7, and 10 years of attained cessation duration were 1.14 (95% CI: 1.01-1.28), 0.79 (95% CI: 0.67-0.93), and 0.73 (95% CI: 0.60-0.89), respectively. Among follow-up quitters, >10.0 kg versus 0.1-5.0 kg weight gain was associated with higher risk (HR=1.94; 95% CI: 1.44-2.61); stand
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Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 11. Mai 2026.
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