Typ-2-Diabetes, Magen-OP, Parkinson: Wann Sie Ihr Eiweiß besonders im Blick haben sollten
Ja, ein genauerer Blick lohnt sich. In Studien aßen Menschen in allen drei Gruppen oft zu wenig Eiweiß, und ihre Muskelmasse war häufig niedrig. Mit drei Prüfschritten klären Sie Ihre Lage selbst und bereiten das Arztgespräch vor.
Ja, ein genauerer Blick lohnt sich. Es geht weniger um andere Regeln. In allen drei Gruppen war die Eiweißaufnahme in Studien aber oft knapp, und die Muskelmasse war häufig niedrig. Das zeigen drei Querschnittsstudien aus dem Jahr 2025 mit Evidenzgrad 3. Sie belegen Zusammenhänge, keine Ursachen. Ein Ernährungstagebuch, ein Selbsttest und gezielte Fragen an Ihre Praxis klären Ihre Lage in wenigen Tagen. Wie viel Eiweiß allgemein empfohlen wird und was im Krankenhaus gilt, behandeln eigene Beiträge.
Typ-2-Diabetes: Eiweiß als eigener Faktor
In einer japanischen Querschnittsstudie führten 91 Menschen mit Typ-2-Diabetes drei Tage lang ein Ernährungstagebuch. Sie waren im Schnitt 70 Jahre alt. Im Mittel aßen sie 1,2 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht und Tag, mit einer Streuung von ±0,3 g. Die Eiweißaufnahme war ein eigenständiger Faktor für die Skelettmuskelmasse. Das galt auch, nachdem Alter, Geschlecht sowie die Aufnahme von Fett und Kohlenhydraten berücksichtigt waren. Das Autorenteam folgert, dass Energie- und Eiweißaufnahme bei Älteren mit Typ-2-Diabetes wahrscheinlich oft unter den Empfehlungen liegen.
Nach einer Adipositas-OP: Muskelmasse oft niedrig
Eine belgische Querschnittsstudie verglich je 50 Über-65-Jährige mit und ohne frühere Adipositas-Operation. Die Operierten hatten 31,6 Prozent ihres Gewichts verloren, die Vergleichsgruppe 12,1 Prozent. Je nach Geschlecht und Kriterium hatten 20 bis 56 Prozent der Teilnehmenden wenig Muskelmasse. Eine Sarkopenie, also Muskelschwund mit Kraft- oder Leistungsverlust, lag nur bei 3 Prozent vor. Die meisten erreichten die empfohlene Eiweißmenge nicht. Die Operation selbst ging in dieser Studie nicht mit mehr Sarkopenie einher. Weniger Muskelmasse hing vielmehr mit höherem Alter und geringer Eiweißaufnahme zusammen.
Parkinson: gut ein Drittel unter 1 g pro Kilogramm
Eine Querschnittsstudie untersuchte Menschen mit leichtem bis mittelschwerem Parkinson, also Hoehn-und-Yahr-Stadium 1 bis 3. 35 Prozent aßen weniger als 1 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei ihnen fiel das Sarkopenie-Screening SARC-F häufiger auffällig aus, also mit 4 oder mehr Punkten. Sie hatten zudem weniger Muskelmasse an Armen und Beinen. Insgesamt war das Screening bei 51 Prozent auffällig. Bestätigt wurde eine Sarkopenie bei 10 Prozent.
Ihre Prüfliste in drei Schritten
1. Ernährungstagebuch über 3 Tage: Notieren Sie alles, was Sie essen und trinken, mit Mengenangabe. So erhob auch die Diabetes-Studie die Aufnahme. Rechnen Sie das Eiweiß mit einer Nährwerttabelle oder App zusammen und bilden Sie den Tagesschnitt.
Rechenbeispiel (abgeleitet, nicht aus einer Studie): Sie wiegen 75 kg. Die Schwelle der Parkinson-Studie von 1 g je Kilogramm ergibt 75 g Eiweiß am Tag. Kommen Sie im Schnitt auf 55 g, liegen Sie 20 g darunter. Das ist ein Anlass für das Arztgespräch, keine Diagnose. Nach einer Operation rechnet Ihr Behandlungsteam womöglich anders: Die belgische Studie bezog das Eiweiß auf die fettfreie Masse.
2. Selbsttest: Der SARC-F ist ein kurzer Fragebogen zu Kraft, Gehen, Aufstehen, Treppensteigen und Stürzen. In der Parkinson-Studie galt er ab 4 Punkten als auffällig. Ihre Griffkraft lässt sich in der Hausarztpraxis oder Physiotherapie mit einem Handkraftmesser prüfen. Wenn Ihnen das Öffnen von Gläsern oder das Tragen von Taschen zunehmend schwerfällt, kann das ein Hinweis sein.
3. Fragen für das Arztgespräch:
– Typ-2-Diabetes: Passt mehr Eiweiß zu meiner Nierenfunktion und meinen Medikamenten? Lohnt sich für mich eine Ernährungsberatung?
– Nach Adipositas-OP: Welche Eiweißmenge gilt für mich? Sollte meine Muskelmasse gemessen werden, etwa per DXA-Scan?
– Parkinson: Wie verteile ich das Eiweiß über den Tag, damit es zu meinen Parkinson-Medikamenten passt? Ist ein Sarkopenie-Screening sinnvoll?
Wenn Sie Vorerkrankungen haben oder Medikamente nehmen, ändern Sie Ihre Eiweißmenge nur nach ärztlicher Rücksprache.
Wann das nicht passt – was die Daten nicht zeigen
Alle drei Studien sind Querschnittsstudien. Sie zeigen, dass wenig Eiweiß und wenig Muskelmasse oft zusammen auftreten. Dass mehr Eiweiß die Muskeln erhält, zeigen sie nicht. Die Gruppen waren klein: 91 Menschen in Japan und 100 in Belgien. Die Angaben zur Ernährung beruhten jeweils auf Selbstauskunft. Die Parkinson-Studie schloss schwere Verläufe mit Schluckstörungen und Mangelernährung aus. Laut Autorenteam lassen sich die Ergebnisse deshalb nicht auf alle Betroffenen übertragen. Bei Schluckproblemen, starkem Gewichtsverlust oder einer Nierenerkrankung ersetzt die Selbstprüfung keine ärztliche oder diätetische Betreuung.
Kernaussagen
- Typ-2-Diabetes: In einer Studie mit 91 Älteren war die Eiweißaufnahme ein eigenständiger Faktor für die Muskelmasse. Energie- und Eiweißaufnahme lagen wahrscheinlich oft unter den Empfehlungen.
- Nach einer Adipositas-OP hatten von den über 65-Jährigen je nach Kriterium 20 bis 56 Prozent wenig Muskelmasse. Die meisten erreichten die empfohlene Eiweißmenge nicht.
- Parkinson: 35 Prozent aßen weniger als 1 g Eiweiß pro Kilogramm. Das ging mit einem auffälligen SARC-F-Screening (ab 4 Punkten) und weniger Muskelmasse einher.
- Prüfliste: 3 Tage Ernährungstagebuch, SARC-F-Fragebogen oder Griffkraftmessung, gezielte Fragen an Ihre Praxis.
- Alle drei Studien sind Querschnittsstudien (Evidenzgrad 3). Sie zeigen Zusammenhänge, keine Wirkung. Ändern Sie Ihre Eiweißmenge nur nach ärztlicher Rücksprache.
Vertiefen Wie viel Eiweiß brauche ich bei Sarkopenie, und wie komme ich dahin?
Nächster Schritt Wie oft und wie schwer sollte ich trainieren, wenn die Muskeln schwinden?
Querverbindung Sollten bei Typ-2-Diabetes auch die Herznerven geprüft werden? Belege (3)
Open-Access-Publikationen mit offener Lizenz, direkt verlinkt.
Dietary Protein Intake Is a Determining Factor for Skeletal Muscle Mass in Japanese Older People with Type 2 Diabetes: A Cross-Sectional Study
Abstract
<b>Background/Objectives</b>: In this study, we investigated the free-living nutritional intake of older people with type 2 diabetes (T2D) and examined the relationship between nutritional intake and skeletal muscle mass. <b>Methods:</b> Subjects aged 65 years or older with T2D who visited the Kansai Electric Power Hospital between 2015 and 2017 and had not yet received nutritional guidance or intervention at our hospital comprised the study group. Nutritional intake (energy, protein, lipid, and carbohydrate intake) was calculated from a 3-day dietary diary by the participants, and the relationship between nutritional intake and the skeletal muscle index (SMI) was retrospectively investigated. <b>Results:</b> In total, 91 subjects were recruited (53 males and 38 females, aged 70.3 ± 5.5 years). The energy and protein intakes were 28.7 ± 6.1 kcal/kg/day and 1.2 ± 0.3 g/kg/day, respectively. A significant positive correlation was found between the SMI and energy and protein intake (<i>p</i> < 0.001). Multiple regression analysis with the SMI as the dependent variable and age, gender, protein intake, lipid intake, and carbohydrate intake as the independent variables revealed protein intake to be an independent determinant of the SMI. <b>Conclusions:</b> In older people with T2D, the energy and protein intakes are likely to be lower than the recommended levels. Appropriate interventions for protein intake and energy intake are recommended to prevent loss of muscle mass in Japanes
Sarcopenia, Muscle Mass and Protein Intake in Adults Older Than 65 Years After Earlier Bariatric Surgery
Abstract
<h4>Background</h4>Metabolic and bariatric surgery (MBS) is a proven treatment for obesity. Yet weight loss is accompanied by loss of muscle which may predispose to sarcopenia. The prevalence of low muscle mass in older adults after MBS remains unexplored, even though this group is more vulnerable to sarcopenia.<h4>Methods</h4>This cross-sectional study investigated sarcopenia and low muscle mass by comparing adults older than 65 years with previous MBS (BAR) to patients following nonsurgical obesity management (CON). A sample size of 100 was estimated from appendicular lean mass (ALM) in a similar study in younger adults. Patients were recruited from the University Hospitals Leuven Obesity Clinic, Belgium. Study assessments included dual-energy X-ray absorptiometry, handgrip, short battery of physical performance, blood sampling and self-reported dietary intake. Sarcopenia was defined according to the European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP1) criteria using obesity-specific cut-off points and sarcopenic obesity by the European Society for Enteral and Parenteral Nutrition (ESPEN) and the European Association of the Study of Obesity (EASO) consensus definition. Main endpoints were sarcopenia and ALM normalized to body mass index (%ALM/BMI). A multiple linear regression model was fitted to predict ALM.<h4>Results</h4>We included 50 participants per group (male, BAR 40%, CON 35%). BAR participants were older (68.3 ± 3.2 years vs. 70.7 ± 3.9, p < 0.01), and m
Assessment of body composition, sarcopenia and protein intake in mild to moderate Parkinson's disease
Abstract
Parkinson's disease (PD) is a progressive neurodegenerative disorder characterized by motor and non motor symptoms. Nutritional status, particularly protein intake, plays a crucial role in managing PD symptoms and preventing complications such as sarcopenia. In Brazil, only 38% of the elderly frequently consume protein-rich foods. The aim of this study was to evaluate the association of protein quantity in the diet of patients with mild to moderate PD with clinical, physical, and body composition factors. A cross-sectional study was conducted involving PD patients in Hoehn and Yahr (HY) stages 1 to 3. Protein intake was assessed using dietary recall, body composition was measured using dual-energy X-ray absorptiometry (DXA), and sarcopenia was assessed following the Revised European Consensus of Sarcopenia. The mean SARC-F score was 3.97, with 51% patients screening positive for sarcopenia. The average handgrip strength was 29, 20% patients had low handgrip strength. The average Short Physical Performance Battery (SPPB) score was 8.87. Confirmed sarcopenia was present in 10% of the sample. Low protein intake (<1 g/kg/day) was observed in 35% of patients and was associated with positive screening of sarcopenia (SARC-F ≥ 4), low lean appendicular mass, and high fat mass index. We did not include patients with severe disease who exhibit more malnutrition, dysphagia, cognitive impairment, dyskinesias, and consequently more sarcopenia. We cannot, therefore, extrapolate these resul
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Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 21. Juli 2026.
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