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Nur der untere Wert ist zu hoch: Muss isolierter diastolischer Bluthochdruck behandelt werden?

Ein unterer Wert ab 80 mmHg ist nicht automatisch harmlos, auch wenn der obere Wert unter 130 mmHg liegt. Eine Metaanalyse aus 51 randomisierten Studien zeigt: Bei diesem Muster senkte eine Blutdrucksenkung das Herz-Kreislauf-Risiko ähnlich stark wie bei anderen Menschen. Ob Sie selbst eine Behandlung brauchen, klären Sie ärztlich.

Harmlos ist dieses Muster nicht automatisch. Liegt Ihr oberer Wert unter 130 mmHg und nur der untere bei 80 mmHg oder höher, spricht man von isoliertem diastolischem Bluthochdruck. Eine Einzeldaten-Metaanalyse aus 51 randomisierten Studien mit 358.325 Teilnehmenden spricht gegen eine Entwarnung. Dort verringerte eine Blutdrucksenkung das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse bei diesem Muster ähnlich stark wie bei allen anderen. Ob Sie persönlich Medikamente brauchen, beantwortet die Studie allein nicht. Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was der obere und der untere Wert bedeuten

Der obere, systolische Wert gibt den Druck in Ihren Gefäßen an, während das Herz Blut auswirft. Der untere, diastolische Wert zeigt den Druck in der Entspannungsphase zwischen zwei Herzschlägen. Beide Werte werden in Millimeter Quecksilbersäule angegeben, kurz mmHg.

Die Metaanalyse aus 51 randomisierten Studien definierte isolierten diastolischen Bluthochdruck so: oberer Wert unter 130 mmHg, unterer Wert ab 80 mmHg. Ein Beispiel: Sie messen wiederholt 124/84 mmHg. Der obere Wert liegt unter der Grenze, der untere darüber. Damit entspricht Ihr Messmuster genau dieser Definition.

Das Muster ist vergleichsweise selten. Von 358.325 Teilnehmenden der Metaanalyse hatten 15.845 einen isoliert erhöhten unteren Wert, also 4,4 %. Rechenbeispiel: Unter 1.000 Studienteilnehmenden wären das rund 44 Personen. Der Nutzen einer Behandlung galt laut den Studienautoren bislang als ungewiss.

Was die große Studienauswertung zeigt

Die Forschenden werteten die Daten jeder einzelnen Person aus 51 randomisierten kontrollierten Studien gemeinsam aus. Eine solche Einzeldaten-Metaanalyse gilt als besonders belastbar, der Evidenzgrad ist hoch. Die Beobachtungszeit lag im Median bei 4,2 Jahren.

Das Kernergebnis der Metaanalyse: Eine Senkung des oberen Werts um 5 mmHg verringerte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei isoliertem diastolischem Hochdruck mit einem Hazard Ratio von 0,91. Bei allen übrigen Teilnehmenden lag das Hazard Ratio bei 0,90. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war praktisch null.

Ein Hazard Ratio beschreibt das relative Risiko über die Zeit. Rechenbeispiel: Angenommen, ohne Senkung hätten 100 Personen einer Gruppe ein Ereignis. Bei einem Hazard Ratio von 0,91 wären es vereinfacht etwa 91. Bemerkenswert ist: Gemessen wurde der Nutzen am oberen Wert, obwohl bei diesem Muster der untere auffällt.

In Zahlen
0,91Hazard Ratio bei Ihrem Muster
0,90Hazard Ratio bei allen übrigen
Quelle: Bidel Z 2026, European heart journal

Ein zweiter Befund überrascht viele. Auch bei sehr niedrigem unterem Ausgangswert, bis unter 60 mmHg, nahm der relative Nutzen in der Metaanalyse nicht ab.

Nach Alter, Herz-Kreislauf-Vorgeschichte, früherer Medikamenteneinnahme und Messmethode unterschied sich die relative Wirkung ebenfalls nicht statistisch. Die Autorinnen und Autoren folgern: Es gibt keinen Hinweis, dass medikamentöse Blutdrucksenkung bei diesem Muster schlechter oder besser wirkt als bei anderen Menschen.

Wann das nicht passt – was die Daten nicht zeigen

Der Befund für die kleine Gruppe ist für sich genommen unsicher. Das 95-%-Konfidenzintervall reicht in der Metaanalyse von 0,82 bis 1,01. Es schließt damit knapp auch „kein Effekt“ ein. Belastbar ist vor allem, dass sich die Wirkung nicht von der bei anderen Menschen unterschied.

Die Ergebnisse sind relative Werte. Wie viele schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse Sie persönlich vermeiden würden, lässt sich daraus nicht ablesen. Das hängt von Ihrem Ausgangsrisiko ab. Absolute Zahlen nennt die Zusammenfassung der Studie nicht.

Untersucht wurde medikamentöse Blutdrucksenkung. Ob Bewegung, Ernährung oder Gewichtsabnahme bei diesem Muster ähnlich wirken, beantwortet die Auswertung nicht. Auch Nebenwirkungen und ein Zielwert für den unteren Wert gehen aus der Zusammenfassung nicht hervor.

Nicht passend ist diese Einordnung, wenn auch Ihr oberer Wert erhöht ist. Allgemeine Zielwerte nach Alter behandeln wir in anderen Beiträgen. Bei Brustschmerz, Atemnot oder plötzlichen Lähmungen gehört die Abklärung nicht in den nächsten Routinetermin, sondern sofort in ärztliche Hände.

So gehen Sie praktisch vor

1. Werte bestätigen: Ein einzelner erhöhter Wert sagt wenig. Messen Sie über mehrere Tage zu Hause, morgens und abends, in Ruhe und im Sitzen. Notieren Sie jeweils beide Werte.

2. Muster prüfen: Bleibt der obere Wert unter 130 mmHg und der untere bei 80 mmHg oder höher, entspricht das der Definition der Metaanalyse.

3. Gesamtbild ansprechen: Nennen Sie in der Praxis Vorerkrankungen, Medikamente, Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie.

4. Nicht eigenmächtig handeln: Beginnen, ändern oder beenden Sie Blutdruckmedikamente nur nach ärztlicher Rücksprache.

Fragen für das Arztgespräch:

– Sind meine Werte dauerhaft so, oder war es eine Momentaufnahme?

– Wie hoch ist mein persönliches Herz-Kreislauf-Risiko?

– Wie viel würde mir eine Senkung absolut nützen?

– Welche Maßnahmen ohne Medikamente kommen für mich zuerst infrage?

– Welche Nebenwirkungen wären bei einem Medikament zu erwarten?

– Wann prüfen wir die Werte erneut?

Kernaussagen

  • Isolierter diastolischer Bluthochdruck heißt: oberer Wert unter 130 mmHg, unterer Wert ab 80 mmHg. In der Metaanalyse betraf das 4,4 % der Teilnehmenden.
  • In 51 randomisierten Studien mit 358.325 Teilnehmenden senkte eine Absenkung des oberen Werts um 5 mmHg schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei diesem Muster ähnlich stark (HR 0,91) wie bei anderen (HR 0,90).
  • Der relative Nutzen nahm auch bei sehr niedrigem unterem Ausgangswert (bis unter 60 mmHg) nicht ab.
  • Für die kleine Gruppe allein ist das Ergebnis unsicher (Konfidenzintervall 0,82–1,01). Absolute Zahlen und Angaben zu Nebenwirkungen fehlen.
  • Lassen Sie die Werte bestätigen und Ihr Gesamtrisiko ärztlich einschätzen. Ändern Sie Medikamente nie eigenmächtig.

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Belege (1)

Open-Access-Publikationen mit offener Lizenz, direkt verlinkt.

Blood pressure lowering in isolated diastolic hypertension and cardiovascular risk: an individual patient data meta-analysis

●●●●● European heart journal·2026· 2 Zitationen· cc by Original ↗
Abstract

<h4>Background and aims</h4>Blood pressure (BP) lowering reduces cardiovascular disease (CVD) risk; however, the benefits of treating patients with normal systolic BP but elevated diastolic BP remain uncertain.<h4>Methods</h4>Data from 51 randomized controlled trials were pooled to compare BP-lowering effects in participants with and without isolated diastolic hypertension (IDH), defined as systolic BP < 130 mmHg and diastolic BP ≥ 80 mmHg. Treatment effects were stratified across baseline diastolic BP categories (range < 60 to ≥90 mmHg) among individuals with baseline systolic BP < 130 mmHg. Fixed-effect one-stage individual participant data meta-analyses were used, and Cox proportional hazard models, stratified by trial, were applied to analyse the data.<h4>Results</h4>Among 358 325 participants, 15 845 (4.4%) had IDH. At a median follow-up of 4.2 years, a 5 mmHg reduction in systolic BP reduced the risk of major cardiovascular events similarly in individuals with IDH [hazard ratio 0.91; 95% confidence interval (CI) 0.82-1.01] and those without IDH (hazard ratio 0.90; 95% CI 0.89-0.92; P for interaction = 1.00). Analyses by baseline diastolic BP showed no evidence of heterogeneity in treatment effects among individuals with baseline systolic BP < 130 mmHg (P for interaction = .26). Relative treatment effects were not statistically different by CVD history, age, prior medication use, and BP measurement methods.<h4>Conclusions</h4>The study found no evidence to suggest that p

Quellen aus Europe PMC, ausschließlich CC0, CC BY oder CC BY-SA. Der redaktionelle Text ist eine eigene Formulierung, keine Übernahme aus den Originalarbeiten.

Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 28. Mai 2026.