Sauna bei Typ-2-Diabetes: Was Hitze mit dem Blutzucker macht – und was nicht
Nein, nach heutiger Studienlage senkt ein Saunagang den Blutzucker nicht. In einer kleinen randomisierten Studie stieg der Zucker nach 40 Minuten Infrarotkabine sogar stärker an. Für den Blutdruck sieht es günstiger aus.
Kurz gesagt: Ein Gang in die Infrarotkabine senkt Ihren Blutzucker nach heutigem Wissen nicht. In einer randomisierten Crossover-Studie mit 12 Menschen mit Typ-2-Diabetes stieg der Zucker nach der Hitze sogar stärker an. Gemessen wurde das in einem Zuckerbelastungstest direkt nach der Sitzung. Insulin und Insulinsensitivität blieben dabei unverändert. Hitze kann eher den Blutdruck senken, den Zucker aber nicht.
Was die Sauna-Studie gemessen hat
Die Studie erschien 2024 in einer Fachzeitschrift der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Teilgenommen haben 12 Menschen mit Typ-2-Diabetes: 10 Männer und 2 Frauen, im Schnitt 69 Jahre alt. Jede Person saß zweimal 40 Minuten in einer Infrarotkabine. Einmal war sie auf 60 °C geheizt, einmal blieb sie bei 21 °C. Direkt danach folgte ein zweistündiger Zuckerbelastungstest. Dabei trinken Sie eine Zuckerlösung, und das Blut wird mehrfach untersucht. Die Hitze kam im Körper an: Die Kerntemperatur lag nach der warmen Sitzung bei 38,0 °C, nach der kühlen bei 36,6 °C.
Das Ergebnis: mehr Zucker, nicht weniger
Die Forschenden maßen den Zuckeranstieg über zwei Stunden als Fläche unter der Kurve (iAUC). Nach der Hitzesitzung betrug sie 17,7 mmol/L über 120 Minuten, nach der Vergleichssitzung 14,8. Beim Insulin gab es keinen Unterschied: 380 gegenüber 376 pmol/L über 120 Minuten. Der Index für die Insulinsensitivität lag beide Male bei 4,5. Die Autorinnen und Autoren folgern: Eine einzelne Infrarotsitzung verbessert den Umgang des Körpers mit Zucker nach einer Mahlzeit nicht.
Rechenbeispiel (abgeleitet aus den Studienwerten): 17,7 minus 14,8 ergibt 2,9. Bezogen auf 14,8 sind das rund 20 Prozent mehr Zuckeranstieg nach der Hitze. Warum das so ist, klärt die Studie nicht.
Zum Evidenzgrad: Es handelt sich um eine einzelne, kleine randomisierte Studie. Sie liefert einen deutlichen Hinweis, aber keinen Beweis für alle Menschen mit Diabetes.
Ein Saunagang senkt bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker.
Was Hitze leisten kann – und was nicht
Eine zweite randomisierte Studie stützt das Bild, allerdings mit anderen Teilnehmenden. Menschen mit schwerer Arthrose in den Beinen saßen bis zu 12 Wochen lang dreimal pro Woche 20 bis 30 Minuten in 40 °C warmem Wasser. Danach folgten etwa 15 Minuten leichte Kraftübungen. Der Ruheblutdruck sank systolisch um 9 mm Hg und diastolisch um 4 mm Hg. Bei Menschen mit Bluthochdruck fiel die Senkung größer aus. Die Werte der Zuckerkontrolle verbesserten sich dagegen nicht.
Die Übersicht nach beiden Studien:
**Blutdruck:** Regelmäßige Wärmebäder senkten ihn über 12 Wochen messbar.
**Blutzucker:** Weder eine einzelne Infrarotsitzung noch 12 Wochen Wärmebäder verbesserten ihn.
**Insulin und Insulinsensitivität:** Nach einer Infrarotsitzung unverändert.
Praxis: Ihre Checkliste für die Sauna mit Diabetes
1. Sehen Sie die Sauna als Erholung, nicht als Zuckersenker.
2. Ersetzen Sie Bewegung, Ernährung oder Medikamente nicht durch Saunagänge.
3. Messen Sie Ihren Zucker selbst? Dann prüfen Sie ihn vor und nach dem Saunabesuch. So sehen Sie Ihre eigene Reaktion.
4. Bedenken Sie: In der Studie folgte die Zuckerbelastung direkt auf die Hitze. Gerade diese Zeit lohnt einen genauen Blick auf Ihre Werte.
5. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Insulin, Blutzuckertabletten oder Blutdruckmittel nehmen. Das gilt auch bei Herzproblemen.
Grenzen: Was die Daten nicht zeigen
Die Sauna-Studie prüfte nur eine einzige Sitzung mit 12 Personen, fast alle Männer. Getestet wurde eine Infrarotkabine, keine klassische finnische Sauna. Die Bäder-Studie lief zwar über 12 Wochen, aber mit Arthrose-Patienten und warmem Wasser statt Kabine. Menschen mit Diabetes standen dort nicht im Mittelpunkt.
Offen bleibt deshalb die wichtigste Frage: Wirkt regelmäßiges Saunieren über Wochen anders als eine einzelne Sitzung? Genau das sollen künftige Studien klären, mit längerer Anwendung und Zuckerwerten im Alltag. Bis dahin gilt: Für den Blutdruck gibt es Hinweise auf einen Nutzen, für den Blutzucker nicht.
Kernaussagen
- In einer randomisierten Crossover-Studie mit 12 Menschen mit Typ-2-Diabetes (im Schnitt 69 Jahre) stieg der Zucker nach 40 Minuten Infrarotkabine bei 60 °C stärker an als nach 21 °C (iAUC 17,7 gegenüber 14,8 mmol/L über 120 Minuten).
- Insulin und Insulinsensitivität blieben nach der Hitze unverändert.
- In einer 12-Wochen-Studie mit warmen Bädern sank der Ruheblutdruck um 9/4 mm Hg, die Zuckerkontrolle verbesserte sich aber nicht.
- Sauna ist kein Zuckersenker. Bei Insulin, Blutzucker- oder Blutdruckmitteln sollten Sie vorher ärztlich Rücksprache halten.
- Offen ist, ob regelmäßiges Saunieren über Wochen anders wirkt als eine einzelne Sitzung.
Vertiefen Was bringt regelmäßiges Saunieren für Herz und Blutdruck?
Nächster Schritt Wie oft pro Woche in die Sauna – und wann vorher zum Kardiologen?
Querverbindung Was senkt bei Insulinresistenz wirklich den Zucker, wenn Sauna es nicht tut? Belege (2)
Open-Access-Publikationen mit offener Lizenz, direkt verlinkt.
A Single Sauna Session Does Not Improve Postprandial Blood Glucose Handling in Individuals with Type 2 Diabetes Mellitus: A Cross-Over, Randomized, Controlled Trial
Abstract
<h4>Introduction</h4>Passive heat treatment has been suggested to improve glycemic control in individuals with type 2 diabetes mellitus (T2DM). Previous studies have focused predominantly on hot water immersion and traditional sauna bathing, as opposed to the more novel method of infrared-based sauna bathing. Here, the impact of a single infrared sauna session on post-prandial glycemic control was assessed in older individuals with T2DM.<h4>Methods</h4>In this randomized controlled crossover trial, 12 participants with T2DM (male/female: 10/2, age: 69±7 y, BMI: 27.5±2.9 kg/m<sup>2</sup>) rested in an infrared sauna twice: once in a heated (60°C) and once in a thermoneutral (21°C) condition for 40 min, immediately followed by a 2-h oral glucose tolerance test (OGTT). Venous blood samples were obtained to assess plasma glucose and insulin concentrations and to determine the whole-body composite insulin sensitivity index.<h4>Results</h4>Body core and leg skin temperature were higher following the heated condition compared to the thermoneutral condition (38.0±0.3 vs. 36.6±0.2°C and 39.4±0.8 vs. 31.3±0.8°C, respectively; P<0.001 for both). The incremental area under the curve (iAUC) of plasma glucose concentrations during the OGTT was higher after the heated condition compared to the thermoneutral condition (17.7±3.1 vs. 14.8±2.8 mmol/L/120 min; P<0.001). No differences were observed in plasma insulin concentrations (heated: 380±194 vs. thermoneutral: 376±210 pmol/L/120 min; P=0.9
Acute and adaptive cardiovascular and metabolic effects of passive heat therapy or high-intensity interval training in patients with severe lower-limb osteoarthritis
Abstract
Exercise is painful and difficult to perform for patients with severe lower-limb osteoarthritis; consequently, reduced physical activity contributes to increased cardiometabolic disease risk. The aim of this study was to characterize the acute and adaptive cardiovascular and metabolic effects of two low or no impact therapies in patients with severe lower-limb osteoarthritis: passive heat therapy (Heat) and high-intensity interval training (HIIT) utilizing primarily the unaffected limbs, compared to a control intervention of home-based exercise (Home). Participants completed up to 12 weeks of either Heat (20-30 min immersed in 40°C water followed by ~15-min light resistance exercise), HIIT (6-8 × 60-s intervals on a cross-trainer or arm ergometer at ~90-100% peak V̇$$ \dot{V} $$ O<sub>2</sub> ) or Home (~15-min light resistance exercise); all 3 sessions/week. Reductions in systolic (12 & 10 mm Hg), diastolic (7 & 4 mm Hg), and mean arterial (8 & 6 mm Hg) blood pressure (BP) were observed following one bout of Heat or HIIT exposure, lasting for the duration of the 20-min monitoring period. Across the interventions (i.e., 12 weeks), resting systolic BP and diastolic BP decreased with Heat (-9 & -4 mm Hg; p < 0.001) and HIIT (-7 & -3 mm Hg; p ≤ 0.011), but not Home (0 & 0 mm Hg; p ≥ 0.785). The systolic and diastolic BP responses to an acute exposure of Heat or HIIT in the first intervention session were moderately correlated with adaptive responses across the intervention (r ≥
Quellen aus Europe PMC, ausschließlich CC0, CC BY oder CC BY-SA. Der redaktionelle Text ist eine eigene Formulierung, keine Übernahme aus den Originalarbeiten.
Medizinische Prüfung: Dr. med. Anna Reuter, Fachärztin für Innere Medizin, 29. April 2026.
Fehler gefunden oder eine Frage zum Beitrag? Wir prüfen jeden Hinweis gegen die Quellen.
Hinweis an den Leserservice